Die Feierstunde zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Eva Mendelsson vergangenes Wochenende im Salmen war würdevoll und sehr gelungen. Wie OB Steffens in seiner Rede treffend anmerkte, ist es gleichermaßen eine Ehre für Offenburg, dass Frau Mendelsson diese Auszeichnung gerne entgegen genommen hat. Die Entscheidung, dass wir der Geehrten die Ehrenbürgerwürde verleihen, war seinerzeit einstimmig im Gemeinderat gewesen. Mir wäre nicht in den Sinn gekommen, dass man diese Entscheidung irgendwie hätte politisch instrumentalisieren können. Das verbietet sich schlicht. Die Fraktion der Grünen hat es dennoch hinbekommen. Und zwar mit deren Antrag, die Hindenburgstraße in Eva Mendelsson-Straße umzubenennen. Die ehemalige Oberbürgermeisterin Edith Schreiner hatte einst in einer Gemeinderatssitzung, in der es um Straßennamen ging, zurecht den von allen akzeptierten Ratschlag gegeben, Straßen noch nicht zu Lebzeiten einer Person zu benennen. Grundsätzlich wird übrigens wohl niemand etwas gegen eine künftige Benennung einer Straße oder eines Platzes nach Eva Mendelsson haben. Die Instrumentalisierung liegt darin, dass es die Hindenburgstraße sein soll. Liebe Grüne, das Thema ist durch. Der Gemeinderat hatte nach einer langen Debatte vor geraumer Zeit zahlreiche Pro- und Contra-Argumente zur Hindenburgstraße abgewogen und eine für alle annehmbare Kompromisslösung gefunden. Die blindwütigen Cancel-Culture-Gelüste scheinen im Zusammenhang mit dem sinkenden Stern der Grünen zu stehen: jetzt noch schnell alles wegrasieren, was geht. Dass man eine vorprogrammiert hitzige Debatte neu eröffnen will und meint, das einfach mit der neuen Ehrenbürgerin verweben zu können, ist das eigentliche grobe Foul. Und: bereits durch die Diskussion würde der Namen der frischgebackenen Ehrenbürgerin beschädigt. Das darf nicht sein! Welche Namen sollen bei den Rückzugsgefechten der Grünen noch getilgt werden? Der der Theodor-Heuss-Schule, weil der Namensgeber 1933 dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt hatte? Der der Willy-Brandt-Brücke? Willy Brandt würde heute als Putin-Versteher verunglimpft werden.


